Ab der dritten Wiederholung spricht insbesondere der rheinische Volksmund von Brauchtum. Aber auch wir möchten der PMS zwischenzeitlich eine etablierte Routine und auch von uns als solche empfundene Tradition nicht mehr absprechen. Sie ist immer wieder ein schöner und willkommener Höhepunkt innerhalb des Modellbauerjahres. Das Maß an Kompaktheit, eigentlich besser die zwischenzeitlich erreichte Verdichtung, von Ausstellern und Wettbewerbsteilnehmern, zeigt auf, welche Bedeutung und Akzeptanz die PMS aktuell erreicht hat. Sie ist mit Fug und Recht die bedeutendste mitteldeutsche Modellbauausstellung. Getoppt wurde dieser Eindruck heuer noch durch das 30jährige Jubiläum des co-gastgebenden PMC Riesa 96 e. V.. Die dafür durchgeführte Tombola unter den Ausstellern beschallte alle 20 Minuten mit der nächsten Ziehungsrunde die Säle, so dass das eine oder andre Gespräch schon mal unterbrochen werden musste. Aber - was macht man(n) nicht alles für ein paar Pola Plastikblumen die zuhause vom Hobbyeinkauf ablenken helfen?
Im Wettbewerb stehende 330 Wertungsmodelle, 310 Ausstellerstände ohne dortige temporär Standgäste/Begleiter boten ersichtlich viel für’s Auge und die 7 hobbybezogenen Dienstleister/Händler halfen, den weißen Fleck zu dem sich Mitteldeutschland in diesem Bereich entwickelt, zumindest etwas zu kaschieren.
Kulinarisch schossen wir uns auf die „Säggssche Eierschegge“ ein, die von diversen anderen Kuchensorten und Bockwürsten flankiert mit absolut preiswertem Kaffee in selbst mitgebrachten Tassen nachhaltig konsumiert werden. Warme Speisen waren wie immer über die jederzeit offenen Restaurationseinheiten des Möbelhauses konsumierbar, mit der Grillbaude hatte ich so mein Thema aufgrund der „kulturellen Aneignung“ dortiger Bratwürste.
Das Standing, was die PMS mittlerweile hat, spiegelt sich auch im Besucherprofil wider. Aber natürlich auch im Wettbewerb waren Hobbyisten aus Tschechien, Polen, Ungarn, dem Baltikum und Portugal vertreten, die den 3.700 Zuschauern alle Sparten des (nicht nur Plastik-)Modellbaus nahebrachten. Für den geneigten Zuschauer waren alle Motive in allen Maßstäben auffindbar, wenn auch in unterschiedlichem Umfang. Aber auch Nischen, z. B. Insektenmodelle oder Kartonmodelle wurden bedient, schlussendlich war für jeden etwas dabei.
Mein persönliches Highlight (was aber auch andere so sahen) waren die Modelle von Rolf Tannert. Bei seinem Ausstellungsdebüt (bezogen auf sein Lebensalter fragt sich auch der unbefangene Betrachter, warum der Mann so lange „unentdeckt“ blieb) zeigte er Plastik-Funktionsmodellbau in 1/72 und 1/144, wo mittels einzelner Zahnbürstenborsten als Scharnier Klappen des Originals am Modell beweglich angebracht wurden. Hier hatte ich zwangsläufig die Kleinodien des Grünen Gewölbes vor Augen…
Unser Stand war durch Axel, Bernhard, Bert, Hendrik, Jan, Kai, Lutz, Uli und Thomas besetzt und hatte als Themenschwerpunkt die Geschichte der tschechischen Luftfahrt im Modell. Diese Aktion war mehr als ein einfacher Groupbuild o. ä. Projekt, da im Display Modelle aus mehr als 30 Jahren jeweils eigener Modellbauerentwicklung zusammengefasst waren. Unsere Truppe in der Breite und mit der Modellbautiefe in einem Display zusammenzubringen hatte echt was Verbindendes.
Im bereits oben als gut und wertig besetzt geschilderten Wettbewerb hatten Bernhard (Gold) und Thomas (Silber) ihren Hut in den Ring geworfen. Auch hier – v. a. im Nachwuchsbereich – war die Präsenz, ja schon fast Dominanz, der osteuropäischen Gäste allgegenwärtig.
Aufgrund der Wertigkeit von Wettbewerb und Ausstellung sind wir auch den einen oder anderen unserer excellent! – Chips zu Recht losgeworden. Einfach mal durch die Bilderleiste klicken, Ihr seht dann schon warum.
Auch konnten wir Weiterentwicklungen an diversen Ausstellungsständen wahrnehmen. So hat Torsten Kiel (Geschichte des KVZ Zschopau als Vorläufer des VEB Plasticart) um eine Gesamtbetrachtung der Modellumsetzungen Tu-104/Tu-114 erweitert und stellte erstmals originale Werkzeugzeichnungen zu Plasticart Tu-144 aus. Die Modellbaufreunde aus Liberec haben Ihr Schlachtendiorama erstmals vollständig (mit allen Reserve- und Hilfstruppen) ausgestellt, so dass es definitiv nicht langweilig wurde.
Siebenlehn ist für mich nicht nur Austauschforum und Hobby-Inspiration, sondern auch Motivation zur Fortsetzung der Nachwuchsarbeit – sieht man doch an den tschechischen und polnischen Junioren, dass nicht notwendigerweise nach uns „das Licht im Bastelkeller ausgeht“.
Wie immer möchten wir uns an dieser Stelle bei allen Akteuren innerhalb und außerhalb von PMC Riesa und EPMC Dresden und dem von ihnen getragenen PMS-Netzwerk für die gelungenen Veran-staltung bedanken – wir werden gern auch bei der 7. PMS Sachen vom 13. – 14.03.2027 wieder mit dabei sein.
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